Stimmungen und Zahlen (III) - “Weisheit” der Massen

October 16th, 2008

Aktuell stürzen die Aktienkurse dramatisch. Trotz Interventionen der Notenbanken haben die Leitindizes ihren Abwärtssog - nach kurzem Zwischenstopp - fortgesetzt. Aktuelle Unternehmensmeldungen tun ihr Übriges, um die Talfahrt zu beschleunigen. So verzeichnet die deutsche Automobilbranche Absatzeinbrüche (allein im September mussten die Hersteller Verkaufsrückgänge von teilweise mehr als zehn Prozent hinnehmen). Auch Zulieferer bauen bereits Kapazitäten ab (Spiegel online 2008).

Ein dramatischer Vertrauensverlust in die (selbst-)regulierenden Mechanismen ist ein Ergebnis. Daneben besteht vielerorts ein völliges Unverständnis derer Funktionsweisen. “Der Markt wäre sicher in der Lage, sich selbst zu heilen, gäbe es nicht den menschlichen Faktor des Vertrauens.” (Theis 2008)

Der DAX zeigte per 10.10.2008 oben stehenden Verlauf.

Der Vertrauensverlust führt zu einer “gefährlichen Psychologie der Finanzkrise”, zu einer “Angst vor der Angst”, wie der Spiegel titelt (Spiegel 41/2008). Auch Kanzlerin Angela Merke spricht von einer “verhängnisvollen Spirale”, die sich in Gang gesetzt hat (Merkel 2008).

Ein Indikator für Vertrauensverlust sowie Zukunftsängsten bildet die deutlich ansteigende Häufigkeit der Suchanfragen nach den Begriffen “Rezension | recension”, “Bankenkrise | bank crisis” sowie “Finanzkrise | financial crisis”. Auch die Häufigkeit der Erwähnungen jener Begriffe - gemessen durch Blogpulse zeigen einen klaren Trend (vgl. unten stehende Abbildungen).

Entsprechend chic ist es, in Beitägen die aktuelle Wirtschaftslage Lage zu vergleichen mit der vor ca. 80 Jahren; das wird verdeutlicht durch die Häufigkeit der Nennung der Jahreszahl “1929″ sowohl in Google-Suchanfragen als auch in Blogs (vgl. Abbildungen).


Laut Experten ist die Angst vor einem Abschwung jedoch übertrieben, wie auch das verbreitete Misstrauen der Banken untereinander. Zwar halten die führenden Wirtschaftsinstitute eine Rezession in Deutschland prinzipiell für möglich, jedoch nur im schlimmsten Fall. Sie warnen davor, die Rezession herbeizureden, sie warnen davor, “Rezessionsreklame” zu machen (Spiegel online 2008).

Erforderlich sind gegenwirkend Meinungsbekundungen und Meldungen. So kündigte beispielsweise die Supermarktkette Edeka an, bis 2010 rund tausend neue Filialen und 25.000 neue Stellen zu schaffen (Spiegel online 2008). Sie verhallen jedoch aktuell bei der Masse eher ungehört. Interessant ist die weitere Entwicklung, ob und wann ein “Tipping Point” zum Positiven erreicht werden kann (Gladwell 2000).

Autor: Uwe-Gernot Fasold

Quellen:

Erforderlich: Das Ohr an Weblogs

August 25th, 2008

Weblogs können bezüglich Marken Assoziations-”Lawinen” auslösen

Von Journalist und Buchautor Doc Searls (et al.) stammt die These “Märkte sind Gespräche” (DOC)!

Im Internet vollziehen sich “Gespräche” vornehmlich in Computervermittelten Sozialen Netzwerken, d.h. unter anderem in Weblogs. Dort werden frei und unzensiert auch bezüglich Produkten, Leistungen von Marken Meinungsbekundungen artikuliert; dies teilweise mit großen Auswirkungen.

So wird Doc Searls in die “Die Humanisierung des Netzes” folgendermassen zitiert: »Bloggen ist wie Schneebälle einen Hang herunterrollen, manche bleiben liegen, andere rollen weiter, manche werden sogar riesig« (ZEIT). Berühmte Beispiele für “riesige Schneebälle” sind Spreeblick und Handelsblatt-Blog “Jean-Remy von Matt: Blogs sind Klowände des Internet” (SPR, HAN).

Hoher Vernetzungsgrad in Weblogs

Die unterschiedliche Intensität der Vernetzung von Internet und Blogospähre zeigt unten stehende Abbildung:

Die Vernetzung der Konsumenten in der Blogosphäre ist entsprechend für Unternehmen Segen und Fluch zugleich: Positive Meinungsäusserungen und Empfehlungen wecken Vertrauen und erleichtern die Kaufentscheidung, negative Kommentierungen führen zu Verunsicherungen (MAR).

Grundsätzlich können jedoch Internet und Blogospähre zur Generierung von Indikatoren für Markenassoziationen dienen; zumal im Internet und in Blogs geäußerte Meinunungsbekundungen in der Regel auffindbar und auswertbar sind.

Weblog-Monitoring zur Erkennung von Markentrends

Um Trends zu erkennen und ggf. rechtzeitig steuernd eingreifen zu können, empfiehlt es sich, im Zuge der Markenführung ein “Ohr” am Internet zu haben und denen im Internet stattfindenden “Gesprächen” fortwährend zu lauschen.

So postuliert auch Aaker in seinem brand identity planning model als ersten Schritt zu einer strategisch ausgerichteten Markenführung eine strategic brand analysis in der Zielgruppe, d.h. Analyse von:

  • Trends,
  • Motivation/ Beweggründen,
  • Bedürfnissen,
  • Segmentierung.

Weblogs sind zur Trenderkennung und zur Ermittlung markenbezogenenen Assoziationen besonders geeignet, denn ein wichtiges Motiv zum Bloggen ist der Austausch und das Publizieren eigener (produkt- und marken-) bezogener Meingungen und Erfahrungen. Die Blogosphäre kann als Frühwarnsystem für Themen, Trends und sogar Nachrichten verwendet werden (PEW).

Autor: Uwe-Gernot Fasold

Quellen:

Monitoring Internet zum Aufzeigen von Markentrends - Beispiel “Handykauf”

August 24th, 2008

Im Blog “Erforderlich: Das Ohr an Weblogs” wurde die Erfordernis aufgezeigt, in Weblogs kommunizierte Meinungsbekundungen zu beobachten, um frühzeitig markenebezogene Trends zu erkennen und um steuernd eingreifen zu können. Nachfolgend wird am Beispiel des Marktes für Mobiltelefone untersucht, ob Meinungsbekundungen im Internet Einfluss auf Marktanteilsverteilugnen haben können bzw. ob sie als Indiz dafür verwendet werden können.

Online-Einfluss auf Handykaufentscheidungen

Wie eine Studie zeigt fragen 59% der Handykäufer Experten oder Verkäufer um Rat bzw. erbitten eine Kaufempfehlung, 46% besuchen einen oder mehr Handyläden, 39% benutzen das Internet, um sich zu informieren. Von Letztgenannten besuchen 76% die Seiten der Hersteller, 59% besuchen Test- und Preisvergleichsseiten und 50% suchen nach Meinungsbekundungen in Blogs und anderen Computervermittelten Sozialen Netzwerken. Nur 7% veröffentlichen selbst Fragen (PEW).

Der Widerhall marken- bzw. produktbezogener Meinungsbekundungen in Computervermittelten Sozialen Netzwerken hat also eine unmittelbare Relevanz bei Kaufentscheidungen von Interessenten.

Vor diesem Hintergrund sind Meinungsbekundungen aufschlussreich, wie sie z.B. im Ranking-Portal wooby kommuniziert worden sind (vgl. Abbildung).

Demzufolge wird das iPhone sowohl als schönstes und auch als bestes Handy angesehen. Es kommen positive Markenassoziationen zum Ausdruck, die auf eine breite Akzeptanz der Marke “iPhone” schliessen lassen.

Unter Anwendung von google Trend wurde die Häufigkeit der Suchanfragen nach bestimmten Handymarken im Internet recherchiert. Auffällig ist der Anstieg von Suchanfragen nach Apple iPhone in jüngerer Zeit. Gleiches gilt für Nachrichten, die auf das Thema “iPhone” referenzieren. Der Hype um das iPhone ist ungebrochen:

Gemessen an den Suchanfragen ist Nokia Marktführer, jedoch mit abnehmender Tendenz, gefolgt - mit zunehmender Tendenz - von Apples iPhone.

Marktanteile

Die tatsächlichen Marktanteile der Handyhersteller im 1.Quartal 2008 ergaben sich wie folgt, gemessen an der weltweit verkauften Stückzahl von Mobiletelefonen (HEIS):

Nokia ist klar Marktführer, gefolgt von Samsung und von Motorola. Bei Motorola sind die Marktanteile im Verhältnis zum Vergleichszeitraum im Vorjahr dramatisch gefallen. Hingegen sind die Anteile der anderen Player deutlich gestiegen. Die Gruppe der Anderen verzeichnet einen Zuwachs von ca. 23%, bei verkauften 61 Mio. Stück.

Dieser Gruppe “Andere” ist auch das iPhone zuzuordnen, mit 1,7 Mio. verkauften Stück im 1. Quartal 2008 (EUR).

Fazit

Sowohl qualitativ als auch quantitativ wird das iPhone als das beste und interessanteste Handy eingeschätzt. Es ist ein Trend hin zu der Marke iPhone offenbart worden.

Gemessen an der Intensität des Widerhalls bzgl. des IPhones ist sein Marktanteil jedoch unverhältnismäßig gering. Apple erwartet jedoch ebenfalls ein starkes Anziehen der Nachfrage nach iPhones, was durch die Absicht dokumentiert wird, innerhalb der kommenden 12 Monate 40 bis 45 Mio. Stück zu produzieren. Das impliziert mit ca. 11,25 Mio. Stück pro Quartal eine Verzehnfachung des Absatzes, im Verhältnis zu Heute (HEIS2).

Informationen bzgl. der tatsächlichen Marktführer Nokia und Samsung, LG Electronics werden ebenfalls häufig, gleichbleibend bei Google gesucht. Hingegen nehmen Suchanfragen nach Motorola kontinuierlich ab. Auch Meinungsbekundungen spiegeln diese Wertung wieder.

Die im Internet ausgedrückten Meinungsbekundungen können als Indiz zur Prognose von Markttrends verwendet werden, was am Beispiel der Mobiltelefone deutlich wird.

Autor: Uwe-Gernot Fasold

Quellen:

Virtuelle Gemeinschaften - Bewußtsein eines Globalen Gehirns

June 25th, 2008

Die u.a. in “Die Gutenberg-Galaxis” publizierten Visionen von Marshall McLuhan weiter führend kann das Internet als ein Konstrukt angesehen werden, das durch „”magische Kanäle“” vernetzt ist: Anschlüsse für u.a. Telefon-, Mobilfunk- und Faxgeräte, Computer, Computernetze oder Kombinationen aus diesen sowie teilnehmende Menschen fungieren als „Knoten“ dieses Netzwerkes, sie bilden Synapsen eines Globalen Gehirns.

Die Analogie zwischen biologischem Gehirn und Globalem Gehirn wird in unten stehender Abbildung visualisiert (20).

Marshall McLuhan teilte die Medien-Genealogie in vier Phasen, deren Unterscheidungsmerkmale im wesentlichen in der Beanspruchung verschiedener Sinnesorgane bei der Wahrnehmung bestehen. Jede Phase hat unterschiedliche Auswirkungen auf Individuen und auf die Gesellschaft.

Vier Phasen der Medienentwicklung nach McLuhan

Orale Stammeskultur

Das erste Menschen zur Verfügung stehende Medium war die gesprochene Sprache. Sie kennzeichnet die erste Phase auf dem Weg zu einer Vernetzung der Menschheit, die „orale Stammeskultur. Das Ohr war das wichtigste Sinnesorgan, da Kommunikation sprachlich stattfindet. Die in Dorfgemeinschaften verbundenen Menschen lebten in totaler gegenseitiger Abhängigkeit und Wechselbeziehung. Individualität war nicht möglich (1,2).

Maunskriptkultur

Ungefähr im 5. Jh. v. Chr. folgte daran anschließend die „literale Manuskript-Kultur“, d.h. die Kultur des handgeschriebenen Textes bzw. Buches. Zur Wahrnehmung von Inhalten wurde das teilweise orientierungslose Auge durch Stimme und Ohr unterstützt. In dieser Zeit bedeutete Lesen unbedingt lautes Lesen“, aufgrund überwiegenden Analphabetismusses und dadurch bedingter Erfordernis des Vorlesens und weil Manuskripte i.d.R. schwer zu entziffern waren, da u.U. viele Autoren an den Texten mitwirkten und sie weiterentwickelten. Wissen und Wissenschaft hatten dadurch eine weitgehend offene, unabgeschlossene Struktur (3,4).

Gutenberg-Galaxis

Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert bewirkte grundsätzliche Veränderungen, denn die Mechanisierung der Schreibkunst war auch Ausgangspunkt der Industrialisierung der Produktion. Anders als das Manuskript war das gedruckte Buch ein Massenprodukt. Diese Phase der Medienentwicklung bezeichnete McLuhan als „Gutenberg-Galaxis“ (5).

Folge dieses medialen Umbruchs ist auch eine Trennung von Gefühl und Verstand und - insbesondere bedingt durch die Einführung der Typographie –- eine Reduzierung der Vielfalt von Sinnesempfindungen auf einen einzigen Sinn: Das Auge.

Der Buchdruck bewirkte eine Standardisierung von Sprache, Denken und Wissen und förderte „die nationale Uniformität und den Regierungszentralismus, aber auch den Individualismus und den Widerstand gegen die Regierung als solche; dadurch wurde Gleichheit im Leben, Gleichschaltung Einzelner sowie Schaffung eines modernen Autorentums (also auch Freiheit der Individuen) bedingt, bei Bildung eines „privaten Bewusstseins in einem öffentlichen Raum“, dem Staat. Die französische Revolution wurde möglich (6,7).

Globales Dorf

Im Gegensatz dazu wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Entwicklung von Elektrizität sowie des Fernsehens „ein öffentliches Bewusstsein in private Räume hineingetragen“ und sukzessive Individualismus und Nationalismus wieder eliminiert. Die neue elektronische Interdependenz verwandelte die Welt in ein Globales Dorf“, total und allumfassend - Raum, Zeit und Distanzen aller Art wurden überwunden. Menschen begannen wieder in Gemeinschaft einer oralen Stammesorganisation zu leben, in gegenseitiger Abhängigkeit, was auch Engagement und Anteilnahme erfordert. Tatsächlich haben sich Medien in der von McLuhan prophezeiten Weise entwickelt –- das „Globale Dorf“, mit der weltweiten Anbindung der Bevölkerung an Elektrizität und an Fernsehen, ist nahezu Wirklichkeit geworden. So verfügten beispielsweise in Westeuropa, den USA und Japan bereits im Jahr 2003 nahezu 100% der Haushalte über Farbfernsehen, in Osteuropa waren es ca. 90% (8,9,10).

Das Globale Gehirn als Ausweitung des Globalen Dorfs

Fernsehen funktioniert nur in eine Richtung“. Es gewährleistet eine kollektive Datenverarbeitung, ohne dass Individuen einen Input leisten können oder dass Interaktion stattfinden kann. Dies wird wiederum durch das Internet ermöglicht (11).

So sieht auch Russel in der zusätzlichen Möglichkeit der Einbindung und des Versands von Videobildern und anderen Medien die bislang größte Medienrevolution: Eine Synthese von Fernsehen, Computer und Telekommunikation“, mit dem globalen Telefonnetz aus Kabeln, Glasfaser-und Funkverbindungen als Infrastruktur (13).

Mittlerweile ist das Internet aus dem beruflichen und privaten Alltag nicht mehr wegzudenken. Seitenabrufe, Käufe und Verkäufe über das Internet nehmen kontinuierlich zu. Dies gilt sowohl für Unternehmen, die ihre Beschaffung und ihren Vertrieb zumindest anteilig über das Internet abwickeln, als auch für Körperschaften des öffentlichen Rechts und auch für private Haushalte (14).

Die Eintrittsbarrieren, um an diesem Prozess teilzuhaben, sind gering. Sie bestehen für Individuen lediglich in der Gewährleistung eines technischen Zugangs zum Internet und der Fähigkeit, schriftlich zu kommunizieren. Das Internet ist ein sich selbst organisierendes System, es hat keine Grenzen, ist dynamisch und uneinheitlich.

Eher Öffentliches (das Fernsehen) wird mit eher Privatem (d.h. Computer und Netzwerke) vermengt. Es erfolgt eine weiterführende Aufhebung von Anonymität und Privatsphäre (15). Das Zusammenleben der Menschen wird dramatisch durch dieses allumfassende Medium und seine Botschaften beeinflusst - „jeder Mensch kennt jeden anderen Menschen über sechs Ecken (16). Veraltende (politische) Vorstellungen sind grundlegend zu überdenken und zu modifizieren. Eine neue, herkömmliche Landesgrenzen übergreifende, globale Öffentlichkeit und gar eine „Regierung“ können entstehen (17).

Insbesondere durch Bildung „Virtueller Gemeinschaften“ erfolgt die Entwicklung eines “kollektiven Bewusstseins” der am Internet partizipierenden Individuen. Menschen organisieren sich online, u.a. in sog. „smart mobs“. Sie diskuitieren, evaluieren, transferieren. Sie handeln einfach, schnell und extrem flexibel (18).

Es erfolgt eine Übertragung „Virtueller Gemeinschaften“ auf das reale Leben - das Globale Gehirn arbeitet!

Unten stehende Abbildung visualisiert die Vernetzung der europäischen Städte (19).

Autor: Uwe-Gernot Fasold

Quellen:

  • Marshall McLuhan: Die Gutenberg-Galaxis
  • (1) Russel, Peter (1996): „Auf dem Weg zum Globalen Gehirn – die digitale Revolution als letzte Stufe auf dem Weg zu einem Superorganismus“; aus dem englischen übersetzt von Florian Rötzer; UND McLuhan, Marshall (1995b): „Die Gutenberg-Galaxis Das Ende des Buchzeitalters“, Bonn, Paris, Addison-Wesley-Verlag, erweiterte Auflage 1995, (kanadische Originalausgabe 1962), S.13 ff.
  • (2) Morisse, Isabel, Lehmann, Uwe (2004): „Die Gutenberg-Galaxis“; UND Reisenweber, Thomas (2004b): “The Gutenberg Galaxy”; UND M. McLuhan (1995b), S. 13 ff.
  • (3) Marshall McLuhan (1995b), S. 104
  • (4) Vgl. Marshall McLuhan (1995b) Gesamtbuch
  • (5) Vgl. Isabel Morisse, Uwe Lehmann (2004) UND Thomas Reisenweber (2004b) UND M. McLuhan (1995b), S. 13 ff.
  • (6) McLuhan, Marshall (1964): BBC-Interview mit Frank Kermode, 1964
  • (7) Vgl. Isabel Morisse, Uwe Lehmann (2004) UND Thomas Reisenweber (2004b) UND M. McLuhan (1995b), S. 13 ff. UND Robert Darnton (2002) als Beschreibung des Zeitalters der Aufklärung und Französischen Revolution, mit ihren Errungenschaften „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ UND de Kerckhove, Derrick (1996): „Jenseits des Globalen Dorfs“ (Übersetzung: Sybille Wagner); dort entnommen aus: “Medien und Öffentlichkeit“; Rudolf Maresch (Hrsg.), Klaus Boer Verlag, München 1996
  • (8) Vgl. Derrick de Kerckhove (1996)
  • (9) Marshall McLuhan (1995b), S. 39, S.13 ff. UND Vgl. Isabel Morisse, Uwe Lehmann (2004) UND Thomas Reisenweber (2004b)
  • (10) Vgl. Kirsch, Thomas (2003): „International Television Overview – Key Tables“; IP Germany (Hrsg.), S.14 f.
  • (11) Derrick de Kerckhove (1996)
  • (12) Vgl. Rötzer, Florian (1996): „Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit“; UND Marshall McLuhan (1995) Gesamtbuch UND Reisenweber, Thomas (2004)
  • (13) Peter Russel (1996)
  • (14) Vgl. Dr. Hauschild, Wolfgang, Dr. Kahle, Irene, Schäfer, Dieter und Timm, Ulrike (2005): „Informationstechnologie in Unternehmen und Haushalten 2004“; Statistisches Bundesamt (Hrsg.), S.5 f. UND Peter Russel (1996), der belegt, dass Nationen, die aktuell bei der Einführung von Informationstechnologie den weiterentwickelten Nationen weniger fortgeschritten sind, in maximal 10 Jahren den heutigen Stand erreicht haben werden.
  • (15) Vgl. Reisenweber, Thomas (2004) UND Derrick de Kerckhove (1996) UND Florian Rötzer (1996) UND Peter Russel (1996)
  • (16) Sixtus, Mario (2005): „Kennst Du den ?“, S. 134-137, in: brand eins 7. Jahrgang, Heft 2, März 2005; brand eins Verlag (Hrsg.), Hamburg: Die Internet-Kontaktplattform Xing.com beruht auf dem Prinzip, dass die Geschäftswelt ein Dorf ist, in dem nahezu jeder sich kennt.
  • (17) Vgl. o.V.-BMWA (2005): „Technologie und Energie –Internationales“; Bundesministerium für Wirtschaft und Arbei: „Zusammenarbeit mit unseren Partnern in Europa und der Welt ist eine wesentliche Internet-Strategie der Bundesregierung“
  • (18) Vgl. Rheingold, Howard (2003): „Smart Mobs“; in: Milich, René: „Smart Mobs”; UND Vgl. McLuhan, Marshall (1995), S.22, 38 f. UND Peter Russel (1996)
  • (19) Chris Harrisson: Internet Map
  • (20) Harald Krämer: Global Brain

Soziale Netzwerke - Rares Gut “Verweildauer”

June 1st, 2008

Absolut gesehen steigen Reichweiten von sozialen Netzwerken kontinuierlich an (vgl. FAZ.net). Daneben steigt die Bereitschaft, an mehreren Sozialen Netzwerken zu partizipieren (vgl. Abbildung). Auch durch das Mitwirken an mehreren Sozialen Netzwerken fallen jedoch tendenziell die Verweildauern pro Sozialem Netzwerk.


Die Restriktion ergibt sich naturgemäß aus der Verfügbarkeit der Ressource “Zeit” pro Individuum; die Möglichkeit von Nutzern, soziale Netzwerke zu nutzen ist beschränkt! Parallel wachsen die Anzahl der sozialen Netzwerke und deren Leistungsfähigkeiten und Angebotsvielfalten, so dass sich der Wettbewerb um die endliche Nutzer-Ressource “Zeit” fortwährend verschärft.

Wenn angenommen wird, dass etwa 9 h pro Tag gearbeitet wird (inkl. Wegezeiten), 7 bis 8 h pro Tag geschlafen wird und ca. 3 bis 4 h pro Tag für die täglichen Verrichtungen (Einkaufen, Saubermachen usw.) erforderlich werden, dann stehen maximal 3 bis 5 h pro Tag für Freizeit zur Verfügung, um die unterschiedliche Medien konkurrieren, z.B. Fernsehen und Internet.
Um diesen Freizeitanteil buhlende Soziale Netzwerke sind beispielsweise Wer-kennt-wen.de und lokalisten.de. Ihre Ausrichtung zielt auf das Netzwerken im privaten Segment. Wie Nielsen aufzeigte rangieren hier (durchschnittliche Verweildauer pro User pro Monat):

  1. Wer-kennt-wen.de mit 168 Minuten,
  2. Lokalisten mit 63 Minuten.

Eine andere Tageseinteilung und andere Verfügbarkeiten weisen in der Regel Schüler und Studenten auf, und darüber hinaus grundsätzlich jüngere Teilnehmergruppen. Um sie konkurrieren SchülerVZ, StudiVZ, MySpace.com. Eine Rangliste ergibt sich wie folgt (durchschnittliche Verweildauer pro User pro Monat):

  1. SchülerVZ mit 111 Minuten,
  2. StudiVZ mit 100 Minuten,
  3. MySpace mit 31 Minuten.

Die Freizeit eines sowohl an StudiVZ als auch an Wer-kennt-wen partizipierenden Teilnehmers wäre bereits zeitlich abgedeckt.

Hingegen hat sich Xing.com auf die Arbeitszeit konzentriert bzw. positioniert sich im beruflichen Kontext. Mittlerweile wird durchaus von Arbeitgebern legitimiert, während der Arbeitszeit Xing.com zu nutzen, um Fachfragen zu klären oder um Ansprechpartner aufzufinden und um Mitarbeiter zu rekrutieren. Viele Arbeitgeber finanzieren ihren Mitarbeitern die Xing-Accounts, im Sinne einer Berufsausstattung. Die durchschnittliche Verweildauer pro User pro Monat beträgt:

  1. Xing mit 40 Minuten

Die Teilnahme sowohl an Xing als auch an StudiVZ und an Wer-kennt-wen deckt 308 Minuten pro Monat ab. Unten stehende Abbildung zeigt, wieviele Nutzer bestimmter Sozialer Netzwerkes auch jeweilis in anderen Sozialen Netzwerken mitwirken:

Die Gewinnung von Marktanteilen bzw. Anteilen von Nutzerzeiten - insb. für neu auf den Markt tretenden Sozialen Netzwerken - ist daher nur möglich, wenn durch das Angebot eines neuen Sozialen Netzwerks entweder:

  • ein Mehrwert im Sinne eines Alleinstellungsmerkmals angeboten wird, der nicht durch Wettbewerber leicht ebenfalls angeboten werden kann und der als Marktbarriere wirkt (ist das bei Wer-kennt-wen gegenüber Lokalisten.de hauptsächlich die Marke!?) und/oder
  • eine bestimmte Nutzerpräferenz befriedigt wird, die möglicherweise einer bestimmten Tageszeit zuzuordnen ist, die noch ncht durch andere Dienste abgedeckt wird (Beispiel Xing.com).

Dazu zählen möglicherweise Wegezeiten zur Arbeit, Einkaufen, Sonstiges. Für neue Anbieter gilt es, in diesen Zeiten Mehrwerte anzubieten, die noch nicht durch Wettbewerber order Substitute hinreichend abgedeckt worden sind.

Autor: Uwe-Gernot Fasold

Quellen: